Mein Herzenshund

Von einer Sekunde auf die andere

Es war ein heißer Sommertag im August.

Die Sonne heizte den Asphalt auf. Die Gärtner kamen mit der Bewässerung der Grünflächen nicht hinterher.

Da auch die Kunden in dem Fitness-Studio, in dem ich arbeitete, uns nicht gerade die Tür einrannten, konnte ich früher von der Arbeit weg.

Zu Hause angekommen, beschloss ich, mit meinem Hund Luke an die Donau zu gehen, um der Hitze zu entfliehen.

Das Element Wasser

Dazu muss man wissen, dass Luke ein Chihuahua ist und somit kein typischer „Schwimmhund“

Trotzdem versuchte ich jedes Jahr aufs neue ihm das Element Wasser schmackhaft zu machen.

Und das sah folgendermaßen aus: Ich stand knietief im Wasser, hielt ihn mit meiner Hand unter dem Bauch und er paddelte laut quietschend los, um sogleich wieder einen Turn Richtung Ufer zu machen. Also dauerte die Schwimmsession nie länger als 10 Sekunden.

Nun hatte ich eine kleine Bucht entdeckt, wo er von seichtem Wasser sich langsam an das kühle Nass gewöhnen konnte. Als wir ankamen ,war bereits ein Mann mit seinem 9 Monate alten Hund dort.

Hundeerziehung leicht gemacht?

Wir kamen ins Gespräch. Unterhielten uns über seinen Hund und die Erziehungsmethoden. Er ließ mich in relativ rauhem Ton wissen,dass sein Hund alle Freiheiten hätte,aber wenn er von ihm verlangte zu hören,müßte er dies ohne Einschränkung tun.

Mir war unklar ,wie das ein Hund unterscheiden soll. Aber in der Hundeerziehung ist es, wie in der Kindererziehung: Jeder vertritt seine Meinung und ist davon überzeugt,das Beste zu geben.

Wir sprachen noch über den Maulkorb und ich äußerte vorsichtig ,dass er ihn schon langsam daran gewöhnen sollte, damit es später keine Probleme gab.

Nichts ahnend,dass dies schneller kam, als ich mir vorstellen konnte.

Das Drama nahm seinen Lauf

two short-coated brown and black dogs playing
Photo by David Taffet on Unsplash

Nachdem ich mit Luke wieder aus dem Wasser war und uns der andere Hund folgte , stand dieser plötzlich direkt vor mir und drängte sich quasi zwischen mich und Luke.

Der Schalter war plötzlich wie umgelegt und es entstand offensichtlich eine Konkurrenzsituation zwischen den beiden. Das war mir schnell klar.

Ich hörte nur ein Knurren , der Kopf des Hundes schnellte herum und er hatte meinen kleinen Luke am Hals gepackt.

Schon als ich das Knurren vernahm,wollte ich mich zwischen die beiden Hunde drängen,aber es ging alles so wahnsinnig schnell, dass ich nur noch Luke hochnehmen konnte.Der andere Hund hing jedoch bereits am Hals meines Hundes-ein Alptraum!

Irgendwie kam dann auch der andere Hundebesitzer zu seinem Hund, brüllte diesen an loszulassen,was natürlich nicht geschah.

Sekunden wurden zu Minuten

Da standen wir nun: Ich auf der einen Seite , meinen Hund auf dem Arm. Mir gegenüber der Mann mit seinem Hund, ihn immer wieder anbrüllend.

Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen war . Der Kopf von Luke hing zur Seite, er war ganz still geworden. Ich weiß nur , dass ich irgendwann für wenige Sekunden dachte: Ich glaube , ich muss mich von Luke verabschieden. Ich sah keine Chance mehr.

Doch dann kam mein Kampfgeist wieder hervor und ich dachte:Also wenn dieser kleine Kerl noch tapfer durchhält,werde ich erst recht nicht aufgeben-niemals!!!

Dann plötzlich ließ der andere Hund los!!!!

Ich nahm Luke ganz eng an meinen Körper, rannte weg von der Bucht auf eine gegenüberliegende Wiese und sank ins Gras. Jetzt bemerkte ich ,dass ich am ganzen Körper zitterte.

Ich untersuchte zunächst meinen kleinen Luke,nahm das Brustgeschirr ab und konnte nichts feststellen. Dann entdeckte ich an einer Stelle etwas Blut.

Ein Ehepaar,das offensichtlich den Vorfall beobachtet hatte kam zu mir , um zu fragen ,ob sie mir helfen könnten. Ich schüttelte nur den Kopf. Sie meinten ,dass man hier keinem Hundehalter vertrauen könne,aber das half mir jetzt auch nicht mehr.

Nur weg hier

Ich sammelte mich etwas ,stand auf und wollte nur noch weg hier. Im Augenwinkel sah ich noch den anderen Hundehalter,der wie angewurzelt-wohl selbst unter Schock- da stand. Seinen Hund nahm ich nicht mehr wahr.

So schnell ich konnte lief ich Richtung nach Hause, informierte meine Tierärztin, die mich bat gleich in die Praxis zu kommen.

Luke , noch völlig unter Schock, ließ die ganze Prozedur dort über sich ergehen. Er bekam eine Drainage in die Wunde gelegt und eine Spritze.

Ich trug dann mein Häufchen Elend nach Hause.

Der Heilungsprozeß war auch eine ganz neue Erfahrung für mich: Dazu muss man wissen,dass Luke mir normalerweise in der Wohnung überall hin folgt.

Rückzug als Heilungsprozeß

Nicht in dieser Zeit.

Er blieb für volle 5 Tage in einer Ecke , hinter der Wohnungstür, den ganzen Tag auf den Steinfliessen liegen. Erst zur Nacht, als das Licht ausging,kam er zum Schlafen zu mir. Das Futter und Wasser nahm er nur aus meiner Hand auf. Obwohl ich ihm beides in unmittelbarer Nähe aufstellte,nahm er nichts aus dem Napf.

Nach ca.3-4 Tagen machte er die ersten Schritte wieder Richtung Wohnzimmer und nachdem die Drainage gezogen war, erholte er sich sichtlich mehr und mehr.

Das Ganze ist jetzt fast auf den Tag genau 1 Jahr her.

Was habe ich daraus für mich gelernt?

Alles viel bewußter wahrnehmen und erleben.

Aber auch, daß Hunde ganz anders verarbeiten ,als wir Menschen. Bei mir kommen noch heute manchmal die Bilder des Vorfalls hoch. Luke ging sehr schnell zur Tagesordnung über;-) Er hat sich einfach die Zeit für seine Heilung genommen,die er brauchte.

Heute ist er immer noch genau so neugierig auf andere Hunde.Eine Wasserratte ist er noch nicht,aber auch in diesem Jahr waren wir schon einige Male beim „Plantschen“.

Bewußtsein versus Dankbarkeit

Ich weiß leider nicht , was aus dem anderen Hund geworden ist. Ich hoffe, es hatte keine negativen Konsequenzen für ihn. Letzten Endes liegt es in der Verantwortung des Hundehalters seinen Hund richtig einzuschätzen und zu führen.

Aber auch ich beobachte heute genau, welche Hunde mit meinem zusammen kommen.

Ich bin dankbar und glücklich,dass alles so gut ausgegangen ist .

Daher ende ich gerne mit einem Zitat von Anthony Robbins:

Dankbarkeit über das was ist,öffnet Türen jenseits jeder Vorstellungskraft.

Be balanced!

Wofür bist Du aus tiefstem Herzen dankbar?